Sekunden moment

Juli 14, 2019

Mit schweren Tritten trete ich am frühen herbstlichen Morgen  in die Pedalen meines Fahrrads und endlich biege ich ein  in diesen kleinen Park, der mich für  wenige Sekunden glauben lässt, ich lebte auf dem Lande. Die  frühe Luft ist feucht und tausende gelbe Blätter, die wie ein Mosaik den irdenen Boden schmücken, bilden die farbliche Verbindung zu den Bäumen, die beiderseits des engen Pfades den Weg säumen. Ich höre das Gezwitscher von den daheim gebliebenen kleinen Vögeln. Einige scheinen dieser Idylle so viel abzugewinnen wie ich. Plötzlich löst sich ein besonders kleiner Spatz aus seiner Gruppe und saust mehrere Meter, einem Kamikaze gleich, in Richtung Erdboden. Kaum unten angekommen dreht der freche Kerl wenige Zentimeter vor dem Boden und meinem Vorderrad einem Kunstflieger gleich das Ruder und flattert scheinbar zielgerichtet seitlich in einen Busch und verschwindet. Noch ehe das Schauspiel beendet ist, endet auch mein kurzer Weg durch diesen kleinen Park, der nicht mal einen Namen hat.

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BEGEGNUNGEN in Berlin

Juli 12, 2019

Die ältere Nachbarin kämpfte sich Stufe für Stufe das enge Treppenhaus hoch und atmete schwer, auf jeder halben Treppe pausierte sie, um Kraft und Luft für den weiteren Aufstieg zu sammeln. Ich überholte sie in der Innenbahn und sie entschuldigte sich für ihr schwaches Herz.

Sie schaute durch das Treppenhausfenster in den Hof. Auf der schmalen Fensterbank stand eine verblühte Azalee in einem verkalkten Tontopf. Im Inneren des vertrockneten Grüns zeigten sich jedoch schon erste neue  lilafarbene Knospen. Der Topf war eingefasst in eine grüne Faltmanschette aus Plastik, die an einen Faltenrock erinnerte. Ihr Blick durch das unvollständig mit bunten Scheiben versehene Fenster fiel auf den kärglich begrünten Innenhof, der von Müllcontainern dominiert wurde und keinesfalls zum Verweilen einlud. Das Licht, das durch die blauen, gelben und orangefarbenen Scheiben des Treppenhausfensters fiel, verlieh dem Dunkel des Treppenhauses  eine sakrale Stimmung. Bunte Lichtstreifen fielen auf den mit Linoleum versehenen Holzboden. An manchen Stellen war das Linoleum  so abgenutzt, dass schon die Flachsfasern im Inneren des Linoleums sichtbar wurden. Riechen konnte man das Linoleum schon lange nicht mehr. Elisabeth Putowski war nun 78 Jahre alt und lebte schon fast 40 Jahre in diesem Haus in der Kantstraße in Wilmersdorf.

Sie sah wesentlich jünger aus und ihre kesse Art in Verbindung mit ihren rot geschminkten Lippen und ihren blond gefärbten Haaren ließ sie wirken wie eine Frau in den frühen Sechzigern.

Sie war immer elegant gekleidet und obwohl sie in ihrer bescheidenen Zweizimmerwohnung wohnte, hatte sie regelmäßig Besuch von vermögenden Damen ihres Alters.

Ihre Wohnung befand sich in der vierten Etage im Hinterhaus des typischen Berliner Miethauses, das aus Vorderhaus, Seitenflügel und Hinterhaus bestand. Ich selbst wohnte eine Etage tiefer direkt unter ihr. Als ich Jahre zuvor in das Haus einzog, kam ich sehr schnell mit ihr ins Gespräch. Schon beim Einzug begegnete ich ihr mit einem Umzugskarton unter den Armen  im Treppenhaus. Uns beiden war im dritten Stock nach einer Pause zumute.

Sie begann über die Nachbarn zu plaudern, mich auszuhorchen und erzählte von früher. Es stellte sich heraus, dass sie die Tochter eines Kohlensackfabrikanten  war, der früher  in unmittelbarer Nähe hier in Wilmersdorf eine Kohlensackfabrik besaß – das Wort Fabrik hatte ich schon lange nicht mehr gehört!

Da ihr Vater mit Kohlensäcken ein beträchtliches Vermögen machte, muss es ihr in ihrer Kindheit  gut gegangen sein. Doch darüber sprach sie nicht. Auch über ihre Mutter und über das, was sie selbst die letzten 50 Jahre gearbeitet hatte, schwieg sie. Stattdessen erzählte sie nur von ihrem Vater. Friedrich Putowski, war ein Bauerssohn aus dem südlich von Berlin gelegenen Kleinstädtchen Niemegk.

Dessen  Mutter Annegret war Näherin, konnte weder lesen noch schreiben und einzig ihrem Fleiß, ihrem Geschick und vielleicht auch der von Natur aus guten weiblichen Ausstattung  verdankte sie die Heirat mit dem alten, bereits verwitweten, Hans Putowski.

Der  brachte seinen aus erster Ehe geborenen Sohn Ludwig mit in die Ehe mit Annegret. Schließlich kamen drei weitere  Kinder hinzu: Fritz, Ute und Evi. Da der Bauernhof von jeher genug zum Essen bot wurde neben  dem Nähen das Kochen zu Annegrets Leidenschaft. So war es kein Zufall, dass nach dem frühen Tode von Hans, der ältere Sohn Ludwig das Regiment am Hof übernahm und die  jüngeren Töchter Ute und Evi in den Harz zogen um dort zu Köchinnen ausgebildet zu werden, Fritz hingegen wurde in das beliebte Restaurant  „Hannemanns-Mühle“ ins benachbarte Bad Belzig vermittelt, um hier eine  Kellnerlehre zu absolvieren. Fritz konnte am Ende seiner Lehrzeit einen Barolo Stravecchio Gran Riserva Vigano von einem Barolo Stravecchio Gran Riserva Vigano Barolo Piemonte unterscheiden und  bis zu vier Teller auf seinen ausgestreckten Armen balancieren.

Nacht für Nacht löste er die Etiketten von den Flaschen und klebte sie in ein altes Schulheft direkt daneben beschrieb er den Wein mit den Worten die er beim Oberkellner als auch den geschulten Gästen gehört hatte.

Neben den Etiketten nahm er Woche für Woche Duzende anfallende Kartoffelsäcke mit auf den Hof nach Niemegk, um sie in der Scheune zu stapeln. Seine Mutter nähte aus mehreren  Kartoffelsäcken dann die ersten Kohlensäcke, die Fritz an den örtlichen Kohlenhändler verkaufte.  Da in Berlin die Zahl der Bewohner und der Wohnungen seit der Gebietsreform stetig stieg, nicht jede Wohnung einen eigenen  Keller hatte und die Bewohner  oftmals auch nur kleinere  Kohlenrationen kaufen konnten, die sie z.T. in der Wohnung lagerten , explodierte der Bedarf an Kohlensäcken. So begann Fritz kurz nach dem Ende  des ersten Weltkriegs in Wilmersdorf mit der  Produktion von Kohlensäcken. Er machte, wie man so sagt, ein Vermögen und investierte nach den kargen Jahren der Inflation in den späten 20er Jahren  sein Geld in eine große Mietkaserne in der Französischen Straße in Berlin Mitte. Der 2te Weltkrieg verschonte das Haus, welches, da es im Ostteil der Stadt lag, 1948 in das Eigentum der DDR überging. Fritz und seine Frau Helene, die das Haus selbst verwaltetet hatten,  mit Tochter Elisabeth  jedoch im Westend im Westen Berlins wohnten,  hatten immer ein gutes Verhältnis zu den Mietern und waren akribisch in der Mieteraktenführung.

Dies sollte  sich Jahrzehnte später auszahlen. Fritz und seine Frau konnten die Teilung Berlins nicht verkraften und verstarben bereits in den frühen 50er Jahren. Elisabeth musste sich als einzige Tochter um alles kümmern, um Beerdigung, Wohnungsauflösung  und vieles mehr. Da auf dem Haus in Westend eine hohe Hypothek lag, musste sie ihr Elternhaus verlassen  und zog 1953 in die Kantstraße.  2 Zimmer, Küche, Flur und kein Bad. In den siebziger Jahren überredeten ihre Freundinnen sie, eine Duschkabine in der Küche aufzustellen und zu installieren.

Diese benutzte sie jedoch nie, stattdessen besuchte sie zweimal wöchentlich ihre Freundin in Halensee, um bei ihr zu baden.

 Mit dem Fall der Mauer fiel das Haus in der Französischen Straße an die Familie zurück. Die akribische Aktenführung ihrer Eltern ermöglichte eine völlig unkomplizierte Rückübertragung. Der Wert der Immobilie belief sich 1991 auf 2 Millionen D-Mark.

Elisabeth Putowski lebte bis zu ihrem Tod weiterhin in ihrer Zweizimmerwohnung ohne Bad und besuchte mehrmals wöchentlich ihre Freundin in Halensee.

Elisabeth hatte weder Mann noch Kinder, in ihrem ererbten Haus befindet sich  bis heute ein Bordell, der Gentlemans Club Bar Rouge! Eine Spezialität der Damen sind Wasserspiele.

März 21, 2019

reifenreifen

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März 9, 2019

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Tape-star

März 4, 2019

Klebestern

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50   x 70 Cm    Price    800 €    incl. shipping

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März 3, 2019


 

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Liebe Freunde, liebe Kunstfreunde,

es gibt mal wieder etwas zu sehen von mir und zwar  am  bzw. ab dem

26.01. 2019 beim Berliner   Charlottenwalk  von 12 – 16 Uhr  und ab 18 Uhr Vernissage mit den Künstlern

In  der  Galerie Michaela Helfrich   in  der  Bleibtreustr.3  in  10623 Berlin
Adreas A. Koch  und viele andere  in  der Charlottenburger Hängung

rettungsring02

#Rettungsring

 

kaugummiautomatenfenster

#Kaugummigeist

 

Ausstellungsdauer  26.01.2019 – 02.03.2019

Galerie Michaela Helfrich   in  der  Bleibtreustr.3  in  10623 Berlin

 

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Reinigung

demnächst in Berlin

am 01.10.2018   Galerie Z22  Ausstellungseröffnung mit Frank Massholder und Andreas A. Koch

 

GALERIE Z22                       Tel. + 49 30. 88 67 67 22

Zähringerstraße 22             Fax + 49 30. 88 67 67 45

10707 Berlin                       info@galerie – z22.com

Potsdam

Mai 23, 2018

potsdam 03

 

potsdam 02

 

an Egg

Mai 20, 2018

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